Kristina Pezzei Reuters, May 13, 2007 Bits und Bytes aus Nowosibirsk, Anti-Viren-Programme aus Moskau, Firmensoftware aus St. Petersburg: Russland drängt mit Vehemenz auf den IT-Weltmarkt. Aus Sorge, die bislang reichlich strömenden Öl- und Gas-Geldquellen könnten eines Tages versiegen, hat die Regierung mit massiven Investitionen in den Hochtechnologie-Sektor begonnen und entsprechende Parks zwischen St. Petersburg und Sibirien in Auftrag gegeben. Software-Unternehmen, die oft in den 1990er Jahren als Start-up-Firmen anfingen, haben sich indes auch ohne besondere staatliche Aufmerksamkeit längst zu Schmieden entwickelt - wie unlängst auf der Computermesse Cebit in Hannover deutlich wurde. Russland war dort Partnerland. Da seit der großen Gründungswelle in den Jahren nach 1990 die Binnennachfrage in Russland zwischenzeitlich relativ gering gewesen sei, hätten sich die Firmen zeitig ins Ausland orientiert, sagt Mathias Weber, beim deutschen Branchenverband Bitkom für IT-Services zuständig. Zielmarkt sei neben den USA und Skandinavien vor allem Westeuropa gewesen. Seit dem Amtsantritt von Wladimir Putin werde die Branche auch im Inland wieder mehr beachtet und unterstützt. "Seit zwei, drei Jahren sind viele vorausdenkende Politiker in der Regierung, die sich fragen: Was machen wir eigentlich mit dem Potenzial der ursprünglich sehr großen und stark auf das Militär ausgerichteten Hightech-Industrie", erklärt Weber. Rolle Des Staates Die Problematik starker staatlicher Einmischung, spürbar etwa im dominanten Energiesektor des Landes, stellt sich Experten zufolge dabei weniger. Vielmehr wünschten sich Firmen oft mehr Engagement der Regierung, sagt Gerit Schulze, der in Moskau für die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) arbeitet. "Das betrifft vor allem die Ausbildung von Programmierern, die Bekämpfung der Produktpiraterie und Steuererleichterungen." Bitkom-Experte Weber verweist auf entsprechende Forderungen russischer Branchenverbände. Erst danach habe sich das zuständige Ministerium für Informationstechnologie deutlich mehr um Software-Exporteure gekümmert und staatliche Fördermittel sowie Steuererleichterungen angekündigt. Von den Initiativen sollen nicht nur Existenzgründer profitieren, sondern auch international anerkannte Branchen-Schwergewichte wie Reksoft. Das 1991 in St. Petersburg gegründete Unternehmen entwickelt Software vor allem für Firmen im Ausland. Eine Sprecherin verweis indes auf ein typisch russisches Phänomen: Geplant ist schnell, die Umsetzung dauert. Reksoft hätte sich schon gewünscht, dass manche Initiative schneller Realität würde. Firmen wie Reksoft, Kaspersky Lab mit seiner Virensoftware und Luxoft haben entscheidend dazu beigetragen, dass der russische IT-Markt in den vergangenen Jahren um jeweils etwa 25 Prozent gewachsen ist. Der Software-Export hat nach Angaben des Branchenverbands Russoft in den letzten vier, fünf Jahren jeweils 30 bis 40 Prozent zugelegt. Der bfai zufolge ist Russland nach Indien und China inzwischen der weltweit drittgrößte Standort für IT-Outsourcing. Die Hauptexportländer liegen weiter in Nordamerika, allerdings hat Deutschland deutlich zugelegt. Knapp 20 Prozent der vom Branchenverband Russoft befragten Unternehmen sehen Deutschland inzwischen als Schlüsselmarkt - fast doppelt so viele wie noch zwei Jahre zuvor. Die Firmen setzten dabei verstärkt auf Niederlassungen in Deutschland, um Neukunden zu gewinnen, sagt Schulze. Reksoft etwa unterhält seit kurzem ein Büro in München, zu den Kunden zählen Springer Science+Business Media und der Computerbauer Fujitsu Siemens. "Die größte Herausforderung waren die Vorurteile westlicher Kunden in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Firmen in Russland", sagt die Sprecherin. Auch Russoft-Präsident Walentin Makarow betont: "Russland hat noch viel zu tun, um sein Image als Hightech-Partner aufzubessern." |